Bestandteile des Selbstmanagements

Worauf es bei der Therapie von Lip- und Lymphödemen ankommt

Seit Neuestem gehört das Selbstmanagement als fünfter Baustein zur komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE) – die wirksamste Form der Behandlung von Lip- und Lymphödemen. Das Einhalten dieser fünf Bausteine ist die Voraussetzung, um trotz chronischer Krankheit ein nahezu selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Doch was beinhaltet das Selbstmanagement?

Spricht man von Selbstmanagement bei Lipödem und/oder Lymphödem , meint man die aktive Gestaltung des durch die Krankheit beeinflussten Alltags. Durch die verschiedenen Akteure der Versorgungskette wie Arzt, Therapeut und Sanitätshaus-Mitarbeiter sollen Betroffene so geschult werden, dass sie ihr Leben selbstbestimmt gestalten können.

Funktion und Ziel des Selbstmanagements

 

Selbstmanagement bei Lipödem führt zu einem selbstbestimmten Leben

Bestandteile des Selbstmanagement

Das Selbstmanagement in der Ödemtherapie umfasst viele Disziplinen, denn sie tragen dazu bei, reflektiert und selbstbestimmt sein eigenes Leben gestalten zu können. Das sind unserer Meinung nach die wichtigsten Bestandteile des Selbstmanagements:

  • Selbstliebe:
    Das eigene Ich und den eigenen Körper anzunehmen, wertzuschätzen und lieben zu lernen ist unserer Auffassung nach das Herzstück des Selbstmanagements. Selbstliebe und ein gesundes Selbstwertgefühl trage dazu bei, sich mit seinen Bedürfnissen auseinanderzusetzen und herauszuarbeiten, was der eigene Körper braucht und worauf man verzichten kann. Um diese Slebstliebe zu fördern, stricken wir bei Lastofa Forte beispielsweise ein kleines Herz im Fußbereich oder am Abschluss eines Armstrumpfes ein. Es soll die Patienten daran erinnern, dass sie und ihre Bedürfnisse wichtig und sie das Zentrum der Therapie sind. Weil es auf die Betroffenen ankommt – immer!
  • Manuelle Lymphdrainage (ML):
    Die manuelle Lymphdrainage ist eine physiotherapeutische Form der Massage, die mit gezielten Handgriffen den Abtransport der Lymphflüssigkeit fördert. Die eingelagerte Flüssigkeit wird dabei in den funktionsfähigen Teil des Lymphsystems verschoben und kann von dort aus abtransportiert werden. Je nachdem, in welcher Phase sich der Patient befindet, kann die manuelle Lymphdrainage täglich oder wöchentlich durchgeführt werden.
    Was aber tun, wenn Termine nicht wahrgenommen werden können oder der Betroffene einen längeren Urlaub plant?
    Die Idee des Selbstmanagements hat hier eine Lösung: Entweder lernt der Betroffene selbst ein paar Handgriffe und Techniken, um diese behandlungsfreie Zeit zu überbrücken. Oder ein nahestehendes Familienmitglied oder ein Freiwilliger aus dem Freundeskreis übernimmt in solchen Zeiten die Funktion des Lymphdrainagetherapeuten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich in diesem Bereich fortzubilden, z. B. mit Seminaren, Videos und Schritt-für-Schritt-Anleitungen . Ziel der manuellen Lymphdrainage, ob nun durch einen Therapeuten oder selbstständig durchgeführt, ist es, die zentralen Abflusswege im Körper frei zu machen. Das sind die Stellen im Körper, wo besonders große Lymphknotenpakete versammelt sind. Konkret geht es um den Halsbereich unterhalb der Ohrläppchen, den Bereich unterhalb der Schlüsselbeine und Achselhöhlen sowie den Bauch- und Leistenbereich. Mit kreisenden Bewegungen und der richtigen Fingerfertigkeit ist dies vor allem morgens noch vor dem Aufstehen eine effektive Maßnahme, den Lymphabfluss anzuregen.
     
  • Kompression:
    Nach der manuellen Lymphdrainage unterstützt die Kompressionstherapie den angeregten Prozess des Lymphabflusses und verhindert die erneute Zunahme des Ödems. Der medizinische Druck der Kompressionsverbände und -strümpfe nimmt von unten nach oben ab und sorgt dafür, dass die Lymphe in Richtung der intakten Gefäße befördert wird. So wird diese besser abtransportiert.
    Je nach Behandlungszeitpunkt besteht die Kompression aus Verbänden mit Kurzzugbinden, Mehrkomponentensystemen oder individuell hergestellten medizinischen Kompressionsstrümpfen . Während in der ersten Phase – der Entstauungsphase – Verbände eingesetzt werden, ist man gerade zu dieser Zeit besonders abhängig von einem dafür ausgebildeten Therapeuten. Deshalb ist es empfehlenswert, sich von seinem Therapeuten zeigen zu lassen, wie man sich selbst bandagieren kann. Auch im Internet finden sich Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Erlernen dieser Fähigkeit.
    In der Erhaltungsphase dagegen trägt der Patient medizinische Kompressionsstrümpfe nach individuellen Maßen . Sie sind angenehmer zu tragen und können eigenständig an- und ausgezogen werden. So hat man selbst in der Hand, die Bestrumpfung täglich an- und abzulegen, zu waschen und in den Alltag zu integrieren.
    Natürliche Materialien, wie Merino- oder Baumwolle, lassen die Haut beim Tragen besondern gut atmen. Außerdem haben sie noch weitere wertvolle Eigenschaften, die das tägliche Tragen so angenehm wie möglich machen.
    Kompressionsstrümpfe für Lip- und Lymphödeme
  • Sport und Bewegung:
    Sportliche Aktivitäten können dabei helfen, keine weiteren Fettpölsterchen zum Lipödem aufzubauen. Außerdem kann Sport verhindern, dass sich zusätzlich zum Lipödem ein sekundäres Lymphödem entwickelt (oft als Lipo-Lymphödem bezeichnet).
    Diese Sportarten eignen sich besonders gut für Lipödem-Patientinnen:
    - Sport im Wasser: Ob Schwimmen, Aqua Cycling, Aqua Fitness, Aqua Walking oder Wassergymnastik: Bewegung im Wasser ist nicht nur schonend, sondern auch besonders effektiv. Denn hierbei funktioniert der Wasserdruck wie eine Lymphdrainage und entstaut die betroffenen Extremitäten zusätzlich.
    - Trampolinspringen: Eine weitere sehr effektive und schonende Methode ist das Trampolinspringen. Beim Hüpfen wird nicht nur die Muskulatur gekräftigt, sondern auch der Lymphfluss angeregt und ganz nebenbei die Fettverbrennung angekurbelt.
    - Nordic Walking: Beim Nordic Walking werden sämtliche Muskelgruppen trainiert und damit sogar die Arme, die bei manchen Patientinnen auch vom Lipödem betroffen sind. Das Walken mit Stöcken ist besonders gelenkschonend und für Ungeübte schnell zu erlernen.
    - Crosstrainer: Schonendes und effektives Ausdauertraining ist auch mit Fitnessgeräten wie dem Crosstrainer möglich. Dabei werden u. a. Beine, Arme, Bauch und Gesäß trainiert. Im Unterschied zum Joggen wird dabei keine Belastung auf die Gelenke ausgeübt.
    Bei allen Sportarten empfiehlt es sich, Kompressionsstrümpfe oder Bandagen zu tragen. Denn die Kompression unterstützt die Muskeln , die Venen und das Lymphsystem dabei, Blut in Richtung Herz und Lymphflüssigkeit in Richtung Lymphknoten zu transportieren.
     
  • Hautpflege:
    Die natürliche Hautbarriere bei Ödempatienten kann geschädigt sein. Dadurch ist die Haut anfällig für Infektionen und schlecht heilende Entzündungen. Die notwendige Kompressionstherapie kann die Haut zusätzlich austrocknen. Es ist möglich, dass an schuppigen oder rissigen Stellen Erreger in die Haut eindringen und Infektionen auslösen. Um diesen Begleiterscheinungen vorzubeugen, ist die tägliche Hautpflege unverzichtbar. Morgens und abends sollten die betroffenen Stellen gesäubert und mit pH-neutralen Produkten gepflegt werden. Gut geeignet sind hierzu beispielsweise Cremeschäume der Marke Callusan . Wenn trotzdem ungewöhnliche Veränderungen wie Hautrötungen auftreten, empfiehlt sich der rechtzeitige Arztbesuch.
    Auch Fußpflege ist wichtig: Kurze Nägel und wenig bis keine Hornhaut sorgen dafür, dass die Kompressionsversorgung einwandfrei getragen werden kann. Auch zum Schutz vor Laufmaschen ist das eine gute Präventionsmaßnahme.

 

Sport bei Lipödem ist das A und O.
  • Ernährung:
    Fakt ist, eine ungesunde Ernährung und Übergewicht können das Ödem weiter verschlimmern. Weniger Pfunde bedeuten im Umkehrschluss weniger Beschwerden. Ernährung oder Diäten allein können das Lipödem jedoch nicht heilen. Aber: Gesunde Ernährung und Normalgewicht sind wichtige Faktoren für mehr Wohlbefinden. Was darf ich essen? Was tut mir und meinem Körper gut? Wodurch verschlimmere ich die Symptome? Diese Fragen können nicht mit einer pauschalen Antwort geklärt werden. Das ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Deshalb kann eine Ernährungsberatung zielführend sein. Da das aber meistens aus der eigenen Tasche bezahlt werden muss, empfiehlt es sich, sich bei seinem Facharzt zu informieren, einen Ernährungsplan zu erstellen und genau zu dokumentieren, was man wann zu sich genommen hat. So kann man nach acht bis zwölf Wochen Schlüsse ziehen und seine Ernährung umstellen.
    Generell gilt: Weniger Fett und Zucker, dafür mehr Ballaststoffe wie Gemüse, Hülsenfrüchte und Co. helfen dabei, unnötige Kilos zu verlieren. Auf Salz weitestgehend verzichten, Saures statt Süßes und mindestens zwei Liter täglich trinken.
    Mehr zu „Lipödem und Ernährung“ erfahren
     
  • Kleidung:
    „Kleider machen Leute“, heißt eine bekannte Redewendung. Und sie kommt nicht von ungefähr: Mithilfe unserer Kleidung kommunizieren wir, wenn auch unterbewusst, mit unseren Mitmenschen. Gefühle, Zwecke, Vorlieben – all das drückt die Kleiderwahl aus. Zudem ist sie ein wichtiges Instrument, um das Selbstwertgefühl zu steigern. Deshalb empfiehlt sich, dass Betroffene die Kompressionsversorgung passend zu ihrem Kleiderschrank auswählen.
    Mit diesen Tipps steigert man zudem den Wohlfühlfaktor:
    - Weite und luftige Kleidung lässt genug Spielraum für Bewegungen und schnürt nicht ein. Ein korrekter Lymphabfluss wird dadurch gewährleistet.
    - Schuhe mit niedrigem Absatz, Fußbett und ohne drückende Nähte sorgen für Wohlbefinden.
    - Auf Kleidungsstücke mit engen Gummizügen, vor allem in der Leiste, sollte verzichtet werden. Stattdessen empfiehlt sich Unterwäsche mit breiten Bündchen. Auch beim BH sollten breite Träger gewählt werden, die weder am Brustkorb noch an den Schultern einschneiden.
    - Die Ärmel der Pullover sollten weit genug sein, um Ihre Gefäße nicht einzuengen. Auch von Armbanduhren sowie Arm- und Handschmuck sollten Sie absehen, wenn Ihre Arme und Hände geschwollen sind.

 

Die richtige Ernährung kann Lipödem-Symptome lindern.

Ziele des Selbstmanagement

Ziel des Selbstmanagement ist es, dass Ödem-Patienten selbstständige Manager ihrer Krankheit werden. Dadurch gewinnen sie maximale Freiheit und Unabhängigkeit, die ihnen, z. B. auch im Urlaub, ermöglicht, die Ödemprävention konstant fortzuführen. So wird die allgemeine Gesundheit weiterhin gefördert und die Betroffenen fangen nach dem Urlaub nicht wieder bei null an.

Durch die Schulung des Bewusstseins und des Einübens geeigneter Maßnahmen mithilfe der Akteure der Versorgungskette gilt es, den Betroffenen ein reflektierendes, selbst-verantwortliches und gesundheitsförderndes Verhalten zu ermöglichen. Dafür braucht es aber ein Zusammenspiel aus Ärzten, Therapeuten, Sanitätshaus und den Betroffenen selbst. Lymphnetzwerke, wie beispielsweise das Lymphnetz Mitteldeutschland , zeichnen sich gerade durch solch eine Zusammenarbeit aus.

Mithilfe unserer #LoveYourself-Challenge zeigen wir, wie man sein Selbstwertgefühl zustätzlich steigern kann. Denn unserer Auffassung nach ist die Selbstliebe die treibende Kraft hinter dem Selbstmanagement von chronischen Krankheiten.

Zur #LoveYourself-Challenge

 

Lipödem und Atmen

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