Komplexe Physikalische Entstauungstherapie

Bei Lymph- und Lipödemen.

Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) wird in zwei Phasen eingeteilt: die Entstauungs- und die Erhaltungsphase. In beiden Phasen kommen verschiedene Therapiebausteine zum Einsatz. Nur wenn alle Bausteine der KPE gemeinsam angewandt werden, können die gewünschten Erfolge erzielt werden:

1. Manuelle Lymphdrainage (ML)
2. Kompressionstherapie
3. Hautpflege
4. Bewegungsübungen

 

Phase I: Die Entstauungsphase

In der ersten Phase der komplexen physikalischen Entstauungstherapie (KPE) soll die angestaute Flüssigkeit abtransportiert, und somit die Schwellung des Gewebes verringert werden. Dementsprechend spricht man auch von der Entstauungsphase. Je nachdem, in welchem Stadium des Lymphödems mit der Entstauung begonnen wird, kann die Phase I zwischen drei Wochen und mehreren Monaten dauern.

 

Phase II: Die Erhaltungsphase

Die zweite Therapiephase dient vorrangig dazu, das erzielte Ergebnis der Entstauungphase (Phase I) zu erhalten und weiter zu verbessern. Für gewöhnlich wird die Phase II der KPE dauerhaft weitergeführt, da eine Behandlungsunterbrechung das Ödem wieder verschlechtern würde.

 

Die manuelle Lymphdrainage als einer von vier Bestandteilen gehört zur KPE.Die manuelle Lymphdrainage als einer von vier Bestandteilen gehört zur KPE.

Bestandteile der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie

1. Manuelle Lymphdrainage (ML)

Die manuelle Lymphdrainage ist eine physiotherapeutische Behandlungsform und sollte nur von speziell ausgebildeten Therapeuten durchgeführt werden. Mit gezielten Handgriffen wird der Abtransport der Lymphflüssigkeit angeregt und gefördert. Das Prinzip dahinter ist einfach: Die eingelagerte Flüssigkeit wird in den funktionsfähigen Teil des Lymphsystems verschoben und kann von dort abtransportiert werden.

In Phase I (Entstauungsphase) wird die manuelle Lymphdrainage 1- bis 2-mal täglich durchgeführt. Später, in Phase II (Erhaltungsphase) wird die Therapie auf 1 bis 3 Sitzungen pro Woche reduziert.

Wichtig!
Um zu verhindern, dass sich das Ödem nach der manuellen Lymphdrainage erneut vollsaugt, wird die Kompressionstherapie eingesetzt.

 

2. Kompressionstherapie

Die Kompressionstherapie ist ein wichtiger Baustein in der Behandlung von Lymphödemen. Nach der manuellen Lymphdrainage unterstützt die Kompressionstherapie den angeregten Prozess des Lymphabflusses und verhindert zudem, dass das Ödem erneut vollläuft.
Entscheidend für die Wirksamkeit der Kompressionstherapie ist der Druck, der von Außen auf das Gewebe wirkt und somit dazu beiträgt, dass mehr Flüssigkeit aufgesaugt und transportiert werden kann.

Der Druck der Kompressionsverbände und -strümpfe ist nicht an jeder Stelle gleich hoch, sondern nimmt von unten nach oben ab und drückt somit die Gewebsflüssigkeit (Lymphe) in Richtung der intakten Gefäße.

 

In der Entstauungsphase: Kompressionsverbände

In Phase I der komplexen physikalischen Entstauungstherapie (KPE) werden Kompressionsverbände aus sogenannten Kurzzugbinden eingesetzt. Der Vorteil der Bandagen ist, dass man sie einfach an die täglich veränderten Formen und Umfänge des Ödems anpassen kann. Der Aufbau eines solchen Kompressionsverbandes ist sehr komplex und sollte in keinem Fall schmerzen oder einschnüren. Daher sollten nur speziell ausgebildete Therapeuten oder Ärzte den Verband anlegen.

 

Kompressionsdruck auf das ödematisierte Bein.Kompressionsdruck auf das ödematisierte Bein.

In der Erhaltungsphase: Kompressionsstrumpf

In der Erhaltungsphase (Phase II) ändern sich Umfang und Form des Ödems nur noch langsam. Daher können nun medizinische Kompressionsstrümpfe nach den individuellen Maßen angefertigt werden. Sie sind angenehmer zu tragen und können vor allem eigenständig an- und ausgezogen werden.

Die Ausprägungen eines Lymphödems können sehr unterschiedlich sein. Um optimal zum Behandlungserfolg beizutragen, werden die Kompressionsstrümpfe maßgefertigt sowie in verschiedenen Kompressionsklassen und Ausführungen angeboten: Vom Strumpf und Strumpfhose, mit oder ohne Zehenkappe bis hin zu Armstrümpfen und Handschuhen.

 

3. Hautpflege

Da die Haut von Ödempatienten stark beansprucht ist, ist die richtige Pflege unverzichtbar. Mit der Ausprägung des Lymphödems werden verschiedene Prozesse in Gang gesetzt, die die natürliche Hautbarriere schädigen. Die Haut ist damit anfälliger für Entzündungen und Infektionen, die nur schwer verheilen und den Zustand zudem verschlechtern können. Zusätzlich kann die Kompressionstherapie mit Kurzzugbandagen und Kompressionsstrümpfen die Haut austrocknen. An schuppigen oder rissigen Stellen können Erreger leichter in die Haut eindringen und ein erhöhtes Infektionsrisiko darstellen. Um dem vorzubeugen, ist die tägliche Hautpflege unverzichtbar. Morgens und abends sollten die betroffenen Stellen sorgfältig gesäubert und mit pH-neutralen Produkten, wie z. B. Callusan Cremeschäumen eingecremt werden.

 

4. Bewegungsübungen

Gezielte Bewegungsübungen helfen dabei, die Schwellung zu reduzieren. Durch die Muskeltätigkeit wird unsere natürliche Muskelpumpe aktiviert und der Abfluss der eingelagerten Gewebsflüssigkeit vorangetrieben. Je nachdem, in welchem Stadium und an welcher Stelle sich das Ödem befindet, müssen individuelle Übungen zusammengestellt werden. Wichtig ist auch, dass die Bewegungen keine Schmerzen verursachen. Die Bewegungsübungen sollten in jeder Phase der KPE 2- bis 3-mal täglich durchgeführt werden.

Wichtig!
Am wirksamsten ist ein Zusammenspiel von Kompression und Bewegung. Darum sollen die Bewegungsübungen immer in Kompressionsstrümpfen oder Kompressionsbandagen gemacht werden.

Gezielte Bewegungsübungen helfen dabei, die Schwellung zu reduzieren. Gezielte Bewegungsübungen helfen dabei, die Schwellung zu reduzieren.
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