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Die Behandlung des Lymphödems

Komplexe physikalische Entstauungstherapie

Ohne Behandlung durch Lymphdrainange und anschließende Kompressionstherapie kann ein Lymphödem zu extremen Schwellungen führen

Lymphödeme heilen nicht von selbst. Bleiben sie unbehandelt ist das Fortschreiten des Schweregrades unvermeidlich und es kann zu extremen Schwellungen der betroffenen Extremitäten führen. Nur durch eine Langzeitbehandlung wird ein für den Patienten erträgliches Ausmaß des Lymphödems erreicht. Ziel der Behandlung ist es, das Ödem in ein leichteres Stadium zurückzuführen. Je früher die Therapie einsetzt, desto erfolgreicher kann sie sein. So können Lymphödeme des Stadiums I unter der Beibehaltung verschiedenener Therapiebausteine häufig in ein Stadium 0 zurückgeführt werden. Aber auch später begonnen, kann meist eine deutliche Verbesserung des Zustandes erreicht werden.

Ziele der Therapie von Lymphödemen

  • Entstauung des ödematösen Gewebes
  • Erhöhung des Lymphabflusses
  • Erweichen der fibrosklerotischen Gewebsveränderungen
  • Reduzieren der Bindegewebsvermehrung
  • Verbessern der Funktionsdefizite der Gliedmaßen, damit die Wirksamkeit der Waden-Muskel-Pumpe erhöht wird

Im Zentrum der Behandlung des Lymphödems steht die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE)

Komplexe Physikalische Entstauungstherapie

Hier ist das Zusammenspiel von mehreren therapeutischen Maßnahmen erforderlich, die unter dem Begriff „komplexe physikalische Entstauungstherapie“, abgekürzt KPE, zusammengefasst werden.
Die KPE besteht aus zwei Phasen.

Phase I:
Diese Phase dient der Linderung und dem Rückgang der Schwellungen – die so genannte Entstauungsphase. Je nach Schweregrad dauert die Phase I drei Wochen oder aber auch deutlich länger. Sie wird entweder ambulant oder stationär durchgeführt. Auch dies ist abhängig davon, in welchem Satium des Lymphödems mit der Behandlung begonnen wird.

Phase II:
Die sogenannte Erhaltungsphase sorgt dafür, dass der entstaute Zustand der betroffenen Extremität so erhalten bleibt und weiterhin optimiert wird. Diese Phase wird in der Regel lebenslang durchgeführt. Wird die Therapie unterbrochen, kommt es erneut zu einer Zunahme des Ödems.

In beiden Phasen der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie kommen vier therapeutische Komponenten zum Einsatz:

  • Manuelle Lymphdrainage
  • Kompressionstherapie
  • Hygiene/Hautpflege
  • Gymnastik/Bewegungsübungen

Manuelle Lymphdrainage (ML)

Die Manuelle Lymphdrainage ist nicht mit einer herkömmlichen Massage zu vergleichen. Sie fördert den Abtransport der angestauten Lymphflüssigkeit in den Lymphgefäßen. Durch die Anwendung bestimmter Massagegriffe wird die Pulsation der Lymphgefäßwand angeregt. Hierbei ist es wichtig, dass nicht nur die betroffenen Extremitäten behandelt werden, sondern auch die zuführenden und abführenden Lymphwege, da dass Ödem sonst nur verschoben wird. Durch die Massage wird der Abfluss der Lymphe in den noch funktionierenden Lymphgefäßen erhöht.
Die Manuelle Lymphdrainage beginnt immer im Halsbereich und im oberen Körperviertel, was eine Sogwirkung auf die unteren Lymphgefäße bewirkt. Der Lymphtherapeut verschiebt dann die Ödemflüssigkeit aus den ödemreichen in ödemarme Gebiete, drückt sie in die Lymphgefäße hinein und lockert das verhärtete Bindegewebe.
In Phase I wird die Manuelle Lymphdrainage ein-bis zweimal täglich durchgeführt und kann in Phase 2 auf ein- bis zweimal in der Woche reduziert werden.

Kompressionstherapie

Neben der manuellen Lymphdrainage kommt der Kompressionstherapie in den zwei Phasen eine große Bedeutung zu. Durch den Druck von Außen auf das Gewebe unterstützt die Kompressionstherapie den Rückfluss der Lymphe aus dem Gewebe in die Lymphgefäße und die Venen. Die Kompressionstherapie trägt damit entscheidend dazu bei, das entstandene Ödem zu verringern, und beugt wirkungsvoll einem erneuten Anschwellen vor.

Leitsatz bei der Behandlung von Lymphödempatienten ist daher: Keine Manuelle Lymphdrainage ohne Kompressionstherapie!

In der Entstauungsphase kommen Kompressionsverbände von Kurzzugbinden zum Einsatz, die direkt nach der Manuellen Lymphdrainage angelegt werden müssen, um den Rückfluss der Lymphflüssigkeit in die entstaute Extremität zu verhindern. Kompressionsverbände haben den Vorteil, dass sie dem sich täglich verändernden Bein oder Arm kontinuierlich angepasst werden können. Das Anlegen erfordert eine spezielle Wickeltechnik. Die Kurzzugbinden bieten der Muskulatur einen festen Widerstand und fördern bei Bewegung den Abfluss der Lymphe. Um keine Schäden oder Schmerzen durch Quetschungen oder Einschnürungen beim Patienten hervorzurufen, sollte daher ein ausgebildeter Arzt oder Therapeut den Kompressionsverband anlegen.

In der Erhaltungsphase kommen medizinische Kompressionsstrümpfe anstatt Kompressionsverbände zum Einsatz. Sie helfen das erreichte Entstauungsergebnis dauerhaft zu halten, einer Reödematisierung vorzubeugen und die Weiterentwicklung eines Ödems zu verhindern. Im Vergleich zu Kompressionsverbänden sind Kompressionsstrümpfe einfacher zu handhaben. Der Patient kann sie selber wechseln und sie sind angenehmer zu tragen. Bei Lymphödempatienten können die Proportionen der erkrankten Extremitäten stark schwanken. Daher erfolgt die Bestrumpfung ausschließlich über individuelle Flachstrickmaßanfertigungen.
Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe besitzen, im Vergleich zu rundgestrickten Strümpfen zahlreiche Vorteile, die sie bei der Behandlung von Lymphödem-Patienten unersetzbar machen. Lesen Sie hier mehr über den Unterschied zwischen Rund- und Flachstrickstrümpfen.

Die richtige Versorgung der lymphostatischen Extremitätenödeme mit Kompressionsstrümpfen ist eine unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Langzeittherapie. Um allen individuellen Erfordernissen angepasst zu sein gibt es flachgestrickte Kompressionsstrümpfe in den verschiedensten Ausführungen (Strumpf, Strumpfhose, mit oder ohne Zehenspitze, Handschuhe, Armstrümpfe etc.). Der zu verwendende Kompressionsdruck und die Ausführung der Bestrumpfung hängen vom Schweregrad und der Lokalisation des Lymphödems, sowie dem Alter des Patienten ab.

Hygiene/Hautpflege

Bei Lymphödemen wird die Haut stark in Mitleidenschaft gezogen. Sie neigt zu Entzündungen und Wundheilungsstörungen. Vor allem Wundrosen (Erysipele) gelten als häufige Komplikation, die zudem das Ödem noch verschlimmern können.
Auch unter dem Kompressionsverband und dem Kompressionsstrumpf kann die Haut zusätzlich austrocknen, schuppig oder rissig werden, was eine Eintrittspforte für Erreger darstellt.
Eine tägliche Pflege der Haut ist aus diesem Grund unverzichtbar. Morgends und abends sollten die betroffenen Extremitäten sorgfältig gereinigt und mit fett- und feuchtigkeitshaltigen Lotion eingecremt werden. Dabei muss darauf geachtet werden, dass pH-neutrale Produkte, wie z.B. Callusan Cremeschäume, verwendet und diese nicht zu fest in die Haut einmassiert werden.

Gymnastik /Bewegungstherapie

Gymnastische Entstauungsübungen unter Kompression sind unverzichtbar für den Lymphödempatienten – und daher die vierte Komponente der komplexen physikalischen Entstauungstherapie. Denn nur in der Bewegung kann sich die Wirkung der Kompressionstherapie voll entfalten. Je nach Lokalisation des Ödems wählt der Therapeut individuell auf den Patienten zugeschnittene Übungen aus. Diese Bewegungsübungen müssen besonders bewusst und kontrolliert ausgeführt werden und dürfen auf keinen Fall Schmerzen bereiten. Die Übungen sollten mehrmals täglich durchgeführt werden (circa zwei- bis dreimal am Tag). Besser öfter kurze Übungseinheiten als einmal längere. Neben den Gymnastikübungen ist beispielsweise auch Nordic Walking unter Kompression gut geeignet, um die Entstauung zu unterstützen.